Sandige Schluffe, schluffiger Sand, Geschiebemergel und Geschiebelehm, Schmelzwassersande, Lößlehmschichten, Rammkernsondierung, LAGA Analyse… wer hier nur Bahnhof versteht, dem geht es wie uns, als wir unser beauftragtes Baugrundgutachten zu lesen bekamen.

Im Zusammenhang mit der Einholung der Baugenehmigung und der Vorbereitung unseres Bauvorhabens mussten die Baugrund-Eigenschaften auf unserem Grundstück untersucht werden.

Dafür wurde auf unserem Grundstück am 25.07.2019 eine Rammkernsondierung mit einer Tiefe von 4m durchgeführt und durch die Firma Dr. Pietzsch & Partner Umweltservice und Beratung GbR aus Markkleeberg analysiert.

Welche Aufgaben muss ein Baugrundgutachten erfüllen?
  • Ermittlung und Darstellung des Schichtenaufbaus
  • Lithologische Beschreibung der Schichten
  • Angabe der wichtigsten bodenmechanischen Parameter
  • Beurteilung der Grundwassersituation
  • Gründungsberatung
  • Empfehlungen zu erdbautechnischen Maßnahmen und zum Feuchtigkeitsschutz
Unser Bericht des Baugrundgutachtens beinhaltet 9 Schwerpunkte:
  1. Veranlassung, Aufgabenstellung
  2. Bauvorhaben, Lage, Gelände, Bebauung
  3. Regionale Geologie und Hydrogeologie
  4. Durchgeführte Untersuchungen
  5. Untersuchungsergebnisse
  6. Gründungstechnische Folgerungen
  7. Bauwerksschutz gegen Durchfeuchtung und Grundwasser
  8. Allgemeine Hinweise zur Bauausführung
  9. Schlussbemerkungen
  10. Anlagen (Übersichtslageplan, Auszug aus dem Katasterplan, Lageplan des Bauvorhabens mit Bohransatzpunkt, Geologisches Schichtenverzeichnis, Geologisches Profil)
Was ergab sich aus unserem Baugrundgutachten?

Das Baufeld unseres ebenen Grundstückes, welches bisher als landwirtschaftliche Ackerlandfläche genutzt wurde, liegt im Bereich der Leipziger Tieflandbucht mit einer Höhe von 170m NHN. Die Grundwasserfließrichtung ist West-Nordwest. Grundwasser ist zwischen 2m und 3,7m anzutreffen, welches als Schichtenwasser charakterisiert wird.

  • 0,00m bis 0,50m Tiefe: Mutterbodenschicht (locker Oberboden mit Humusgehalt)
  • 0,50m bis 1,35m Tiefe: Schluffe, graubraun, halbfest (Geschiebelehm schwach tonig, halbfeste Konsistenz, setzungsempfindliche nicht frostbeständige Schluffe, Bodengruppe TL)
  • 1,35m bis 1,70m Tiefe: Mittelsande, braun (Mittelsande, Bodengruppe SÜ, schwach feinsandig, schwach tonig und kalkfrei)
  • 1,70m bis 2,20m Tiefe: Schluffe, graubraun, halbfest (tonige und feinsandige Schluffe mit halbfester Konsistenz, einzelne Kiese, frei von Kalk (Geschiebelehm), Bodengruppe TM
  • 2,20m bis > 4,00m Schuffe, steif-weich (tonige und schwach sandige Schluffe, steife bis weiche Konsistenz, gering wasserdurchlässig, Bodengruppe TM)

Der Oberboden/Mutterboden ist nicht als Baugrund geeignet und muss seitlich gelagert werden, z.bsp. für spätere Gartengestaltung. Das Gebäude muss auf einer Bodenplatte mit umlaufender Frostschürze gegründet werden. Für die Streifenfundamente (Frostschürze) erfolgt der Bodenaushub bis in 0,8m Tiefe unter Unterkante Bodenplatte. Das Planum muss statisch nachverdichtet werden und ein Geovlies aufgelegt werden. Anschließend erfolgt ein Gründungspolster in 2 Lagen (<30cm) aus gut verdichtbarem Tragschichtmaterial (Mineralgemisch, Beton-RC, Kiessand 0/32) unter sorgfältiger Verdichtung. An der Oberfläche muss ein Ev2-Modul vom min. 70MN/m2 (Verformungsmodul, auch Ev2Wert genannt, wird durch einen Lastplattendruckversuch geprüft) nachgewiesen werden.

Was kostet ein Baugrundgutachten?
  • Unser Bodengutachten mit 6 Proben nach DIN 4022 inkl. Bericht kostete: 773,50€
  • zzgl. LAGA Bodenprobenanalyse 124,16 € (50% da es sich um eine Mischprobe unseres und des Nachbargrundstück handelte)
Was ist eine LAGA Bodenproben-Analyse?

Hier wird der Boden bzw. das Aushubmaterial auf Fremdbestandteile und seine chemischen Bestandteile (Kohlenwasserstoff, Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber, Zink, ph-Wert, Chlorid und Sulfat) analysiert. Die Analyse ist notwendig, damit der eigene Bodenaushub entsprechend nach seiner Belastung (belasteter Boden, unbelasteter Boden) bewertet werden kann. Dies ist u.a. für die Kosten des Erdabtransportes wichtig. Je nach Ergebnis kann das Ausbubmaterial nur zu ganz bestimmten Deponien gebracht werden. Mittlerweile nehmen die Deponien keinen Bodenaushub mehr ohne Bodenanalyse an, denn die Deponien müssen vor dem Umweltbundesamt nachweisen, was sie für Aushubmaterial angenommen haben.

Bei der Bodenanalsyse wird der Boden nach LAGA (Länderarbeitsgemeinschaft Abfall) in 6 verschiedene Kategorien eingeteilt:

  • Z0 Uneingeschränkter Einbau
  • Z1 Eingeschränkter offener Einbau
  • Z2 Eingeschränkter Einbau mit definierten technischen Sicherheitsmaßnahmen
  • Z3 Deponieklasse I
  • Z4 Deponieklasse II
  • Z5 Sonderabfalldeponie

Das untersuchte Material unseres Baugebietes entspricht der Zuordnungsklasse Z0 nach LAGA Boden 2004.


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